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Der Malediven Neid, oder das Ende einer Täuschung


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Fangen wir doch am Anfang an. Das Problem meldete sich vergangenen Sonntag. Morgens, wach geworden, der routinemäßige Griff zum Handy, Instagram, Storys und da waren sie! Überall Malediven Bilder. Gefühlt ist jeder zweite Influencer gerade auf den Malediven. Besonders, die die einer und der selben Agentur angehören, vielleicht gab es da ja einen Mengenrabatt - who knows?



Und da spürte ich es schon, da ist es schon um mich geschehen und das Böse nahm seinen Lauf. Der gute Freund Neid kam mich besuchen, und es sollte diesmal ein längerer Besuch werden. Denn der sonst übliche kurze Kaffeklatsch reichte dieses Mal nicht aus. Es ist logisch, dass sein Besuch nun an der Zeit war, denn zuvor waren ja seine guten Freunde Unzufriedenheit und die Gier nach Mehr da, also war es klar, dass auch er kommen wird - im Rahmen des Prozesses. Das gute alte Trio.

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Also war es nun da - der Neid. Er saß tief in meinem Bauch drin, ich würde sagen um das Wurzelchakra und den Solarplexus. Mit der Zeit fühlte es sich so an als ob es so hoch kommen würde, wie die Galle. Seine dunkle Giftwolke breitete sich aus und übernahm feindlich meinen Körper. Doch diesmal stellte ich mich der feindlichen Übernahme nicht in den Weg. Ich wollte wissen was passiert. Ich wollte es nicht bekämpfen mit Aufmerksamkeitslenkung auf das Gute, was ich in meinem Leben habe. Ich wollte nicht in diesen Kampf des Abwiegens geraten, ja aber dafür habe ich das und das und das. Ja, ich wollte nicht, das Schöne und Gute und meine persönlichen Erfolge dafür gebrauchen diesen Neid zu bekämpfen, sie sind mir einfach zu kostbar und außerdem bin ich diesen Kampf leid und es macht unglaublich müde.


"Ich will nicht dankbar sein, nur damit ich meinen Neid nicht spüre. Ich will dankbar sein, weil ich dankbar bin und es nicht für etwas anderes benutzen".

Also ließ ich diesen Kampf zu und fragte mich folgende Fragen:


Worauf bin ich neidisch?


Bin ich auf die Malediven neidisch? Bin ich auf die finanziellen Möglichkeiten neidisch? Bin ich auf die dürren Körper neidisch? Bin ich auf die Aufmerksamkeit neidisch? Bin ich darauf neidisch, dass sie es können (was auch immer es sein mag) und ich nicht?


Die Antwort lautete meistens - Ja, ja und ja. Doch dann fragte ich mich und was jetzt? Willst du jetzt sofort auf die Malediven? Nein. Willst du jetzt sofort wegreisen? Nein. Also was ist das was du willst? Und die Antwort war - ich wusste es nicht. Also bist du darauf neidisch, weil die Leute wissen was sie wollen und es tun? Und die Antwort war ja .. traurig aber wahr.


Und da kam die erste Erkenntnis.

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Mein Neid hat die Funktion von mir abzulenken, von meinem Fokus auf meine Wünsche und Bedürfnisse.


Ich erkannte, dass wenn ich neidisch bin, ich mich viel mehr mit dem Leben Anderer beschäftige, mit dem was sie machen, oder nicht machen, als mit mir selbst.




Der Neid will uns einfach testen und in die Versuchung bringen, uns vorm Weg abbringen, aber auch anspornen, dran zu bleiben. Was vollkommen oki ist, denn es ist sein Job. Er prüft unsere Willensstärke, unseren inneren Fokus, unsere Wünsche, ob sie echt sind, oder nicht. Ob es unsere Wünsche sind, im besten Fall Herzenswünsche.


Er will uns nicht schaden, doch der Schaden entsteht, wenn wir es ihm erlauben und ihm folgen, wenn er uns lenken und leiten darf. Die Schönheit und die Erfolge, der Luxus und die Privilegien Andere, ja der Vergleich mit Anderen, sind sein Arbeitsfeld. Wer neidisch ist, guckt auch zu. Ob heimlich oder offen. Und das ist das, wovon in meinen Augen, das Influencergeschäft lebt. Doch dazu ein anderes Mal mehr.


Zurück zum Wesentlichen. Durch die erste Erkenntnis fragte ich mich, was ich will. Was wäre die Reise, die ich jetzt tun wollen würde, wären es die Malediven? Und die Antwort lautete erneut NEIN. Sicher, ich möchte auch einmal in meinem Leben die Malediven sehen, es ist einfach ein wunderschöner Ort. Doch mein inneres Ich ist dabei zwischen 50 und 60 Jahre alt. Ich stellte mir also vor, WANN in meinem Leben ich auf die Malediven reisen will. Und da kam mein Malediven Bild. Wenn ich auf den Malediven bin, dann sehe mich da mit meiner faltigen, teilweise schon hängenden Haut in einem knappen Oma Bikini, einer weißen Bluse und einen Sonnenhut, mit einem Buch in der Hand auf der Liege oder am Strand an einer Staffel malen. Ich sehe mich da vor allem meine Ruhe haben zu wollen, kein Handy in der Nähe, kein Telefon, aber bitte Netflix und co. Ich sehe mich wie ich das Servicepersonal teilweise giftig ankeife, weil sie mich erneut in meinem Mittagsschlaf gestört haben, denn ich sagte ausdrücklich ja, keine Nachrichten von Außen. Ich glaube, dass ich in diesem Alter nicht mehr so freundlich und höflich sein werde, wie jetzt - YAY, ich freue mich drauf. Ich sehe mich, wie ich diese Anlage tagelang nicht verlasse, jede Mahlzeit in meiner Villa zu mir nehme, und es wird eine Beachvilla, keine Wasservilla. Ich sehe mich, wie ich mich aufrege über andere Menschen, die über meinen privaten Strand laufen, es sei denn, es ist der heiße Boy von der Anlage, der darf natürlich oft und gerne den Strand in seiner knappen Badehose durchkreuzen und mir mit seinem weißen Lächeln jedesmal freudig zuwinken. Mein Mann, der schläft neben dran auf der Liege und nach 30 Jahren Ehe und mehr, stört es ihn nicht, wenn ich anderen jungen knackigen Männern nachgaffe :D Und dann sehe ich mich, wie ich die Sonnenuntergänge alleine zelebriere, mich in dem Moment mit der Schönheit dieser Natur verbinde und in mir ein wohliges Gefühl der Erfüllung entsteht. Und dieses Gefühl sende ich an mein Ich der Vergangenheit, das gerade diese Zeilen schreibt. Die Botschaft lautet ganz klar - Es lohnt sich zu warten. Glaube an dich, an uns, und es wird sich erfüllen. Und kleine Tränen der Berührung kullern die Wangen herunter. Ich hebe mein Glas Rotwein (ja, da trinke ich wohl Rotwein und nicht mehr Weißwein oder Sekt) und proste der Sonne zu, auf uns, auf das Leben. Auf meine Malediven.


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Japp, das ist MEIN Malediven Urlaub. Wie kann ich denn auf etwas neidisch sein, wo ich doch schon da bin und es bereits erlebe?. Crazy und tricky, aber wahr. Es lebe die Macht der inneren Bilder.


Nach der ersten Erkenntnis ging die innere Arbeit weiter. 47% Prozent meiner Instagram Community stören sich nicht an diesem Content, also dachte ich darüber nach, wie sie es schaffen, sich daran zu erfreuen. Ich meine es sind wirklich wunderschöne Bilder. Ich fragte mich, warum es mir so schwer fällt diese Schönheit zu sehen bzw. ja schon zu ertragen. Die Antwort kam wieder schnell - weil es nicht meine ist. Doch dann wurde mir auch schnell bewusst, dass ich auch meine eigene Schönheit oft nicht sehen geschweige den wertschätzen kann, und da spielen viele Themen eine Rolle. Ob die optische Schönheit, die Schönheit des eigenen Lebens, oder der Natur, die einen gerade umgibt - und da habe ich wirklich ein mega Upgrade letztes Jahr geschenkt bekommen. Hier erkannte ich eine Verbindung zu meinem vorherigen Blog, wenn ich meinen eigenen Erfolg nicht sehen kann, kann ich doch auch nicht die Schönheit sehen, die sich oft darin verbirgt.

Es folgte die zweite Erkenntnis:

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"Wie soll ich die Erfolge anderer, die Schönheit andere sehen und akzeptieren können, wenn ich meinen eigenen Erfolge und meine eigene Schönheit nicht sehen, geschweige denn akzeptieren und wertschätzen kann."


Dieses Satz gibt für mich sehr viel Sinn. Er lässt mich den Zusammenhang zwischen den einzelnen Schritten des inneren Prozesses erkennen, die Verbindung, wie der Neid mit dem Erfolg zusammen hängt. Ich spürte, wie ganz viele Glühbirnen in mir gerade aufgegangen sind. Es ist logisch. Also folgte ich einen folgenden Entschluss, ich biete meinem Neid jetzt meine Stirn, und wie macht man das am Besten genau durch pure Konfrontation.

Ich schaute mir nun täglich, morgens, mittags, abends die Malediven Storys an, in Dauerschleife. Ich stellte mir vor, wie ich gerade da im Meer schwimme, mit den Delphinen tanze, am Strand frühstücke. Und je häufiger ich mir die Storys anschaute, desto mehr verlagerte sich mein Fokus auf den Hintergrund der Story und nicht auf den Darsteller selbst. Ich merkte, dass ich gar nicht mehr den Worten der Influecer horchte, ich schaute mir nicht mehr deren Mimik an, ich las nicht mehr die Untertitel durch, ich wollte nur noch die Natur, ja Malediven selbst sehen, die Sonnenstrahlen tanken, die gerade zufälligerweise mit im Bild waren, das Meer rauschen hören, das Obst sehen, was zwar gefilmt aber nicht gegessen wurde. Und so konnte ich zum ersten Mal Zufriedenheit spüren, und lies mich von der Schönheit dieses Ortes berühren. So ein schöner Ort. Wie schön, dass es solch Wunder der Natur auf diese Erde gibt. Wie schade es doch wäre, wenn wir Menschen diese Orte nicht sehen könnten, ob live vor Ort oder per Media, wie hier per Instagram. Ich beobachtete die Wandlung in mir, ich erfreute mich immer mehr an der Schönheit. Ich erkannte, dass diese Schönheit uns allen gehört, und das wir alle ein Teil dieser Schönheit sind. Und dass ich mich mit dieser Energie verbinden darf, auch wenn ich es persönlich nicht vor Ort erlebe, ich erlebe es jedoch aus der Ferne. Es ging sogar soweit, dass ich zum ersten Mal Dankbarkeit verspürte für diese Influencer, die da gerade Urlaub machen - verrückt oder? Tatsächlich verspüre ich gerade eine innere Aufregung und frage mich, wo geht deren Reise dann weiter hin? Ich bin dankbar dafür, dass sie die Anstrengung dieser Reise auf sich nehmen, und nicht ich. Dass deren Konto damit belastet wird und nicht meins. Und ich aber trotzdem in den Genuss der maledivischen Energie und Sonne kommen darf. Denn meine Seele, mein Körper und mein Geist, sind dafür selbst noch nicht bereit - erst mit Mitte 50, wie schon oben erwähnt. Und somit löste sich mein Neid in Luft aus und ja Dankbarkeit war der Schlüssel, doch nicht für mein Leben und mein Erfolg. Sondern für das Leben, die Schönheit, den Erfolg, ja das Werk Anderer.



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Abschließend möchte ich noch eins sagen. Ich wünsche all den Influencern, die sich die Arbeit machen und solche Reisen mit Baby, Kind oder ohne auf sich nehmen, nur das Beste. Und dass sie in der Lage sind sich wirklich von der Schönheit des Lebens, die sie erleben dürfen, von der Magie der Orte, die sie auch schon sehr früh in ihrem Leben besuchen dürfen, berühren zu lassen. Ich wünsche Ihnen die nötige innere Reife und Weisheit, all das zu verarbeiten. Bei einigen habe ich da meine Zweifel, ob sie wirklich die Schönheit IHRES Lebens sehen, oder doch noch im Bann der Gier nach Erfolg stehen. Auch wenn ihre Worte das eine sagen, ihre Körpersprache sagt oft das andere - nämlich die Wahrheit.

Doch die Zeit wird es zeigen und ich denke wir werden es dann alle sehen - the rise and the fall.




 
 
 

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