It's time for second chances.
- r o n i

- 3. Jan. 2022
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Jan. 2022

r o n i - ist meine zweite Chance auf die kunterbunte Welt des Social Medias. Vor allem der handmade - instagram - diy Welt. Meine erste Chance begann im Jahr 2020. Kurz nach der Geburt meiner kleinen Tochter. Ich entdeckte die Leidenschaft zum Nähen, wie so viele in der Corona Zeit und schon bald wurde auch Instagram und die Nähszene dort gesichtet und dann ist es um mich geschehen. Druck, Ehrgeiz, der Wunsch mit zu halte. Ich will auch einen handmade shop haben, ich will mitmischen, viele Follower und Likes haben. Ja, so oberflächlich waren meine Gedanken, aber sie sind wahr und menschlich. Ich hatte wirklich einen Leistungsdruck und kam auch nicht zurecht mit dem Klima der damals auf Instagram herrschte. Viele Beiträge regten mich auf, ich verstand nicht, warum mein Profil so wenig Aufmerksamkeit genoss, und wo hingegen andere ganz viel. Und ja, so hässlich dachte ich auch, dass mein Profil natürlich viel schöner gewesen sei...bla bla bla. Bitter, aber wahr. Also kam es, wie es kommen musste. Ich bekam meinen Instagram - Burnout. Und ich glaube, ich schaffte es auch in der kurzen Zeit mich eher unbeliebter zu machen als beliebter, geht das? Naja, offensichtlich ja. Es machte mir kein Spaß. Ich merkte, welcher Druck, die Gier nach Erfolg, der Zwang mitmischen zu wollen, in mir herrschten. Das soll es sein? Dafür opferst du deine wertvolle Freizeit als Mama? Dafür ruinierst du dir das Nähen, eine Leidenschaft, die mit der Geburt meiner Tochter in mein Leben trat. Denn endlich wurde mein Kopf still, während ich kleine Pumphosen und oversized Pullis für sie nähte. Endlich vergass ich all meine Zweifeln, Ängste und Sorgen, die mich seit gefühlt IMMER plagten. Endlich stand die reale Welt still, und somit wurde es in mir still. Und dafür musste ich mich nicht auf eine Yoga Matte setzen. Und trotz eines Alltags mit einem Neugeborenen hatte ich die Lust und die Motivation bis tief in die Nacht zu nähen. Auf einmal spürte ich den Schlafmangel nicht mehr. Ich ging mit einem Gefühl der Zufriedenheit ins Bett ein wunderbares Nähstück für mein kleines Baby genäht zu haben und träumte schon von den nächsten Ideen, was als nächstes vernäht wird, wenn die Zeit und die Abende es zulassen. Doch das alles, meine kleine Ruhe Oase, drohte von dem Social Media Druck einfach platt gemacht zu werden. Und die Gefahr war real. Ich began zu cheaten (so nenne ich das Verhalten, wie man sich durch Loops und andere Aktionen, Follower erschleicht). Diese Zahl hatte so einen Einfluss auf mich, keinen Guten. Und nach einer weiteren negativen Erfahrung, wo ich mir über einen Monat lang jeden Abend die Seele aus dem Leib genäht habe, ist die Blase geplatzt. Ich war durch! Ich bemerkte richtig, wie schlecht es mir ging, je mehr Zeit ich auf Instagram verbrachte.
Es folgte eine krasse Entscheidung - die jedoch ein game changer war. Ich beschloss im Dezember 2020 ein Social Media Detox zu machen. Mich überall abzumelden, da ich offensichtlich mit meinen 32 Jahren nicht in der Lage war konstruktiv damit umzugehen.Ich löschte alle Accounts, Facebook inklusive. Meine hart erkämpften, erbettelten (anders kann man es nicht nennen) 700 irgendwas Follower waren weg. Und somit der Druck. Die ersten Tage waren super easy. Ich fühlte wie die Last weg war, erfreute mich über die neue Freiheit, und sagte mir, dass es die richtige Entscheidung war. Nach paar Tagen folgten die ersten Entzugssymptome, auch da wurde ich standhaft. Ich nähte weiter, merkte jedoch, dass mir etwas fehlte. Es fehlte mir ein schönes Bild zu machen, einen Text drunter zu schreiben. Denn - ich möchte ehrlich sein - ich schaue mir meinen Feed selber gerne an. Denn es ist wie ein Kreativ - Tagebuch. Und ich bin dann immer stolz auf mich, weil ich denke - "Ah, sowas schönes hast du genäht? Und so schön fotografiert hast du auch?" - Ihr seht, die Selbstbeweihräucherung funktioniert hier schon mal optimal. Aber es nützt nix - so bin ich, in der Hinsicht bin ich selbst mein größter Fan und natürlich Lieblingsfollower :D
Doch auch dieses Empfinden hielt ich aus, das ließ mich nicht schwach werden. Eine längere Zeit wurde es auch um meine Nähmaschine still, als ob ich mit ihr auch im Clinch lag. Ich musste aber was Kreatives abends machen, sonst wäre es nicht gut um meine Nerven gegangen. Also begann ich zu malen. Und ich erinnerte mich an eine Idee, die ich an meinem ersten Muttertag bei unserem ersten Waldspaziergang als kleine junge Familie bekam, während ich so durch den Wald schlenderte und mir die grünen Blättern, die Farne, Eicheln und Blumen anschaute. Ich erinnerte mich an die Idee, die ich da stromartig bekommen habe, während ich ein Blatt aufhebte. Als ob auf einmal sich mein Kronen Chakra öffnete und die Erleuchtung in mich eingehämmert wurde - wie ihr seht ein Hang zu Dramatik und Theatralik habe ich auch, fragt meinen Mann :D Naja, auf jeden Fall erinnerte ich mich, wie ich dachte, wie schön, das Blatt doch sei, und dass es so eine schöne Form hat. Wie schön es wäre so ein Muster auf der Haut zu tragen... und tja, ihr könnt euch denken, der Rest ist Geschichte.
Statt jetzt jeden Abend bis tief in die Nacht zu nähen, habe ich designed. Collagen gebastelt, Muster erstellt, Blumenwiesen und Wälder durchforstet, mich durch youtube und co. in Grafikdesign irgendwie reingekniet um endlich zu verstehen, wie man ein nahtloses Muster erstellt. Viel zu viel Geld für Probedrucke ausgegeben. Erste Meter bestellt, vernäht. Einzigartige Unikate gefeiert. Und das alles - genau, richtig alleine. Niemand wusste darüber bescheid, nur ich und mein tapferer Mann, der jetzt als mein Publikum her halten musste. Der Arme.
Denn eins wurde mir dadurch bewusst. Bzw. ich lernte eine neue Seite in mir kennen. Na, eigentlich nicht kennen, eher sehen, zulassen und akzeptieren. Eine Seite, die schon seit dem ich denken kann, in mir schlummert. Die Künstlerin in mir erwachte endlich zum Leben. Und wie jeder Künstler, brauchte ich auch meinen Raum, wo ich mich mit meiner Kunst zeigen, präsentieren kann. Und so traf ich eine Entscheidung. Ich brach mein eigenes Versprechen, was ich mir gab. Und beendete frühzeitig nach 6 Monaten meine Instagram Abstinenz. Zuerst erstellte ich einen privaten Account, ohne Follower. Nur ich. Wo ich die Bilder für mich nur postete. Und ja richtig erkannt, ganz schnell wurde es langweilig. Mir fehlten die Herzen. Doch diesmal wollte ich selber welche geben, als nur zu erwarten welche zu bekommen. Ich merkte, dass ich diesmal ganz anders an die Sache ranging. Bewusster. Distanzierter. Mit dem Fokus auf den Spaß und das Social und weniger auf das Media. Ich schaute mir bewusster die Profile anderer toller handmade Mamis an. Hinterließ selber erst mal paar Herzchen und Kommentare ohne Gegendruck. Folgte Leuten, die mir gefielen und hatte nicht die Erwartung, dass sie mir auch folgen müssen. Machte bei Probenähen mit und wurde überraschenderweise trotz meiner paar Follower (ich meine damals waren es 50) angenommen. Entwickelte einen eigenen Stil, wie ich meine Fotos mag, ultra hell und minimalistisch. Weiß als Hintergrund, damit die Designs der nötige Kontrast sind. So wie sie mir am besten halt gefallen. Ich fing an mich mit anderen wunderbaren Frauen auszutauschen. Ich lernte, dass der Austausch, dass Miteinander viel mehr Spaß gemacht hat, als das Gegeneinander oder Wetteifern. Auf einmal wurde ich angeschrieben. Eine Neuheit für mich. Die ersten Kommentare folgten, Komplimente für meine Designs. Einfach so. Ich lernte die Menschen mit ihren Profilen so zu akzeptieren, wie sie sind. Und Ihnen ihre Ansichten zu lassen, ohne direkt zu einem Moralapostel zu werden. Ich wollte einfach nur meiner Linie treu bleiben und mich nicht anpassen müssen um da sein zu dürfen. Ich konzentrierte mich bewusst auf das Schöne und nicht auf das was früher Ärger und Aggression in mir auslöste. Und ich war mutig und zeigte meine Designs. Und später sogar mein Gesicht. Und äußerte meine Ansichten, Gedanken und Gefühle. Ungeschminkt, mit fettigen Haaren, im Schlabber Look - well, that's the hottest version of me. Und was dann kam war für mich einfach überwältigend. Denn das Feedback auf meine Designs war wundervoll. Und das berührte mich sehr. Motivierte mich, und ich gewann an Sicherheit, dass ich diesmal bleiben kann. So wie ich bin. Dass ich hier mit machen kann, ohne mich zu verlieren. Dass ich mir treu bleiben kann, meine Meinung äußern kann, mich nicht verstecken brauche und auch mein Herz zeigen kann, wie es wirklich ist, nicht nur spiky but vor allem lovely.
Und heute steht der nächste kleinen Meilenstein an. Heute geht meine eigene Homepage online, wo man meine Designs auf wunderschönen weichen Stoffen gedruckt ergattern kann. Dazu wird mein Shop von meiner Person in Form eines Blogs begleitet. Die Künstlerin in mir schreit förmlich vor Freude, sich hier auch in Schriftform austoben zu können. Denn in meinem Kopf ist so viel los, da war das Schreiben immer ein Hilfsmittel, und jetzt wird das halt auch geteilt mit der Welt.
Durch r o n i (was die mittleren Buchstaben von meinen Namen Ve - r o n i - ka sind ), erschuf ich eine zweite Chance. Eine neue Tür in die Social Media Welt. Eine Möglichkeit mich mit der Welt mitzuteilen, zu verbinden und nicht mehr alles für mich alleine zu behalten, was mich bewegt. Meine Kreativität, meine Gefühle, ja meine innere Welt. Diese kann nun auch ein Stück der äußeren Welt werden. Ich darf mich zeigen, und muss mich nicht mehr verstecken, in meinem kleinen Schneckenhaus. Denn Social Media, die Welt ist nicht nur böse und feindselig. Ganz im Gegenteil. Man muss nur wissen, wo man hinschaut. Diese Erfahrung durfte ich jetzt erleben. Und dafür bin ich unendlich dankbar.
Eure Roni




Liebe Roni,
Glückwunsch zu deiner Homepage, dem Blog und natürlich dem Shop mit diesen tollen Designs!! Ich finde es toll wie unglaublich ehrlich und schonungslos du deine Gefühle schilderst und ich bin sehr sicher, dass du damit nicht allein warst! Umso schöner, dass du deinen Weg gefunden hast und jetzt wieder da bist!!! 💕